Alle haben über Porto Cervo zumindest einmal im Leben gehört oder haben eine Ahnung von diesem „touristischen“ Dorfes auf der Nordostenseite Sardiniens. Seit mehr als 60 Jahren ist Porto Cervo das Urlaubsziel eines begrenzten Kreises von reichen Menschen. Seine Geschichte ist aber nicht jedem bekannt und wirklich wenige Leute sind dort länger als ein paar Stunden gewesen. 

Selbst die sardischen Leute schaffen seine wirtschaftliche und symbolische Wichtigkeit nicht immer zu begreifen. Die reden mit abschätzigen Worten darüber, als die Costa Smeralda etwas Fremdes wäre.

Über die Geschichte der Costa Smeralda, sein Symbol Porto Cervo, sowie die Prominenzen, die diesen Ort damals gegründet haben, wurden viele Bücher geschrieben. In Porto Cervo wohnten früher wirklich wenige Familie aus dem Gallura-Gebiet, die die Länder besaßen, wo heute Villen und Luxushotel sind.
Die Legende besagt, dass Prinz Karim Aga Khan sich auf den ersten Blick in Sardinien verliebt hat. Dank seiner strategischen Lage war Porto Cervo in der Vergangenheit das Ziel vieler Eroberer und ist auch heute noch ein beliebter Ort.
Als direkter Anlaufhafen im westlichen Mittelmeer, in der Nähe der großen europäischen Hauptstädte und weit entfernt von Konflikten und politischer Instabilität, war Porto Cervo in den 1960er Jahren ein wahrhaft glücklicher Ort.

Porto Cervo verfügt nach wie vor über den am besten ausgestatteten Yachthafen Sardiniens, der Platz für 700 Boote verschiedener Größen bietet, und sein Molo A kann auch Freizeitboote von mehr als 50 m Länge aufnehmen.
Nur der Passagierhafen von Olbia bietet eine ähnliche Verfügbarkeit, aber es ist ein ganz anderer Hafen, ohne die hochrangigen touristischen Dienstleistungen, die nur Porto Cervo bieten kann.
Dank dieser Eigenschaft hat Porto Cervo in den letzten Jahren die wichtigsten Reeder, d.h. die reichsten Männer der Welt, angezogen. Rund um diesen Kreis, der einst als Jetset bezeichnet wurde, hat sich eine florierende Wirtschaft und ein Fremdenverkehrssystem entwickelt, das Auswirkungen und Folgen für ganz Sardinien hat.
Porto Cervo ist in der Tat Teil eines touristischen Systems, das diese Ecke Sardiniens in nur zwei Generationen tiefgreifend verändert hat.
In der Gallura war die Landwirtschaft die Hauptbeschäftigung: einige wenige Familien mit vielen Kindern, die sich um kleine Dörfer und “stazzi" (typische Bauernhäuser der Gallura) versammelten und Ziegen und Rinder züchteten und, wenn möglich, Ackerbau betrieben.

An der Küste widmete sich Olbia vor allem der Landwirtschaft, der Muschelzucht und dem Fischfang, insbesondere in Golfo Aranci, die damals nur ein Bezirk war und heute eine autonome Gemeinde ist.

Mit Prinz Karim Aga Khan IV. änderte sich alles, und die Geburt der Costa Smeralda, die heute Geschichte ist, behält eine fast legendäre Aura, über die seit Jahren märchenhafte und nicht immer wahre Anekdoten kursieren.
Die Änderungsprozess war sehr schnell. Das Aufbauen von Porto Cervo, des heute genannt „alte Hafen“ und des Hotels Cervo, mit seinem direkten Hafenbecken, erforderte den massiven Einsatz von lokalen Arbeitskräften.
Es handelt sich um Handwerker, die unter der Anleitung der damaligen besten Architekten, neue Techniken erlernten und damit ihren Lebensstandard enorm verbessern konnten und oft die Möglichkeit danach hatten, ihr eigenes kleines Unternehmen zu eröffnen.
Um diese Menschen herum, entstand die neue Gemeinschaft der Gallura, Mit der Nachfrage nach neuen Berufen, und das entsprechende Wirtschaftswachstum der 1960er Jahre wird diese am Anfang sehr traditionelle Gemeinde bald als Referenzmodell für die touristische Entwicklung der ganzen Insel betrachtet.

Nach dem Erfolgserlebnis von Porto Cervo sind andere Zentren und Yachthäfen entstanden, die den gleichen Markt teilweise konkurrieren, ohne jedoch das unvergleichbaren Exklusivität-Niveau von Porto Cervo erreichen zu können.

FIKTION ODER WIRKLICHKEIT?

Die Kritik, die man immer wieder über Porto Cervo und die Costa Smeralda hört, ist, dass es sich um ein künstliches und unechtes Paradies nur für reiche Leute handelt, wo jeder einzelne Stein nach dem Touristengeschmack gestalten wurde.
Eine andere Kritik betrachtet die Costa Smeralda als etwas Anders als den Rest von Sardinien.
Als Kind verbrachte ich die Sommer an der Seite meines Vaters, als der von Yacht Club gebaut wurde und nie hatte ich den Eindruck gehabt, dass es sich um Fiktion handelte.

Viele Jahre später habe ich selbst an der Renovierung des Yachtclubs und des Hotels Cala di Volpe mitgearbeitet, und ich hatte immer das Gefühl, dass es etwas Vertrautes und Familiäres ist.

DIE NATÜRLICHE ÜMGEBUNG

In Costa Smeralda, sowie in Porto Cervo selbst, kann man Ecken finden, die noch wild sind. Es kann komisch aussehen, aber es ist noch möglich, auf den Pfaden zu laufen, die früher zu den Hirten gehörten und Hasen, Rebhühner, Wildschweine und alles möglichste Wildtiere typisch von diesen Ländern, zu sehen.

Der Mensch hat an diesen Orten mit Sorgfalt gebaut, nicht zuletzt, weil die Regeln des Konsortiums so streng sind, dass es (trotz einiger Änderungen) schwierig ist, hier die Verunstaltungen typisch von anderen touristischen Lokalitäten zu sehen.
Ja, denn Porto Cervo hat nie eine gewisse Wildheit verloren, die eine der wesentlichen Voraussetzungen war, als es sich vorgestellt wurde. Sogar die Namen der Orte, rund um Porto Cervo, erinnern an diese etwas wilde Gallura. Im Hafen selbst wurde von Anfang an ein System der Wasserzirkulation errichtet, um zu verhindern, dass das Wasser stagniert. Aus diesem Grund bewohnen Fische und Kormorane das Wasser dort und gehören zu den ständigen Bewohnern der Bucht.
Etwas weiter nördlich, in Cala Granu und Capo Ferro, ist es fast unmöglich, spazieren zu gehen, ohne auf ein Rebhuhn zu stoßen, und spät am Abend, wie in der ganzen Gallura, auf Wildschweine.
Das Missverständnis ist folgendes: Porto Cervo sieht aus wie ein Touristenort. Eigentlich schon, aber es ist ein sehr exklusiver Ort wie Cortina oder Capri. Die Menschen, die diesen Ort in den 1960er Jahren wählten, waren sehr wohlhabend und einflussreich, und obwohl sie schon alles hatten, was man sich vorstellen kann, suchten sie nur Einfachheit und Bequemlichkeit.

Der ultimative Luxus war es, sich frei bewegen zu können, ohne etwas beweisen zu müssen. Die Häuser waren eher spartanisch, versteckt in der so genannten „Macchia Mediterranea“ und ohne Prunk.

DIE STRÄNDE

In Porto Cervo, d.h. direkt im Zentrum, gibt es auch verschiedene kleine Strände, die nicht immer von Badegästen besucht sind. Der erste ist der Strand, den wir unter dem Platz zwischen der Mole und dem Hafenbecken finden: ein kleines Juwel, immer so sauber, dass es eigentlich benutzt werden könnte.


Gegenüber, auf der anderen Seite des Hafens, befindet sich der Strand der Residenz “La dolce sposa", der etwas größer und belebter ist. Entlang der Straße vom Yacht Club Costa Smeralda in Richtung Zentrum gibt es einen weiteren Strand, der kleiner, abgelegener und zwischen den Gärten der Villen versteckt ist. In den Buchten von Cala Granu und Cala Romantica, am nördlichen bzw. südlichen Rand von Porto Cervo, gibt es zwei weitere kleine, sehr schöne Strände.
Weiter in Richtung Romazzino und Capriccioli oder in Richtung Razza di Juncu gibt es unzählige schöne Strände und Buchten, die in wenigen Minuten mit dem Boot und einige sogar mit dem Auto erreicht werden können. (REFG. Autovermietung Porto Cervo)

Die ALTE UND NEUE VILLEN. 

Die ersten Villen an der Costa Smeralda, sowohl in Porto Cervo als auch in den umliegenden Hügeln, wurden von einigen großen Architekten entworfen, die dem Stil ein ganz besonderes Gepräge gaben: Vietti, Busiri Vici und die beiden Couelles (Jaques und Savin, Vater und Sohn). Alle zeichnen sich durch eine gewisse Schlichtheit aus und sind vollständig von einer dichten Vegetation umgeben, die zwar in der Gegend heimisch ist, aber um die Villen herum angepasst und angeordnet wurde, um die absolute Privatsphäre zu schützen und die Isolierung von der Außenwelt zu gewährleisten.
Einigen Interviews von J. Couelle zufolge war die Architektur der Landschaft selbst darauf ausgerichtet, “Grotten" zu schaffen, d.h. abgeschiedene Orte, an denen man sich ohne unnötigen Prunk entspannen konnte, was wiederum oft auf die Tradition Sardiniens verweist, in einer Interpretation, die heute vielleicht etwas naiv und gezwungen wirkt.
Es sind wunderschöne Orte, perfekt in die Natur integriert und mit einem herrlichen Blick auf das Meer, der ein absolutes Muss ist.
In den letzten Jahren wurden einige der historischen Villen renoviert oder in einem internationaleren Stil umgebaut, mit modernen, stromlinienförmigen Linien und der Verwendung von Marmor und Glas. Vor allem aber sind sie jetzt auch aus großer Entfernung deutlich sichtbar. Ein Beispiel dafür sind einige der neuen Villen auf dem Hügel oberhalb des Golfclubs von Pevero, die jetzt für diejenigen, die mit dem Boot in die Bucht von Cala di Volpe fahren, leicht zu erkennen sind.
Eine bewusste Entscheidung, die von einigen der älteren Mitglieder des Konsortiums, die wie typische Bewohner von Porto Cervo an ein gewisses Understatement gewöhnt sind, mit anderen Augen gesehen wurde.
Meiner Meinung nach ist der Hügel von Pantogia einer der faszinierendsten Orte, von dem aus man einen atemberaubenden Blick auf den Golf von Pevero hat, von Porto Cervo bis zu den Monti Zoppu und Li Nibani.
Pantogia liegt ziemlich hoch und weit weg vom Lärm der modischen Orte wie der Bilionarie, aber nur wenige Minuten vom Zentrum von Porto Cervo entfernt, geschützt vor dem Mistral, einem der häufigsten Winde in dieser Gegend. Sie liegt auf der Ostseite und von hier aus kann man den Sonnenaufgang über den kleinen Inseln von Li Nibani beobachten. Die Privatsphäre ist an diesem Ort auf jeden Fall gewährleistet.

DIE HOTELS

Die Hotels Cervo, Cala di Volpe, Pitrizza, Romazzino, Yacht Club Costa Smeralda, Pevero Golf Club, Cervo Tennis Club und später viele andere haben mit ihren internationalen Gästen, Prinzen, Staatsoberhäuptern, Film- und Kulturstars, kleinen und großen Geschäftsleuten, die 60 Jahre lang eine wunderbare Zeit auf Sardinien verbringen wollten, die Geschichte von Porto Cervo mitgeprägt.

Alle diese Hotels haben einen gemeinsamen Stil, denn die Architekten des Aga Khan wollten ihnen einen bestimmten Charakter verleihen: etwas, das nicht greifbar ist, sich aber in den Designs, den verwendeten Stoffen und den Ausstattungen bemerkbar macht. Ein Flair, das über das schlichte Weiß von Kalk und Fliesen, Granitkappen, Pastelltönen sowie Meerwasserpools hinausgehen könnte. Diese Merkmale wurden später fast überall auf Sardinien nachgeahmt.

Auf der Welt ist es doch möglich Hotels mit weitaus besseren Einrichtungen und Dienstleistungen als die von Porto Cervo zu finden, aber in den 60en Jahren war die Meinung seiner Gäste anders.

Wenn man sich einige alte Filme anschaut, wie z. B. den sehr berühmten „007-Film Der Spion, der mich liebte“ aus dem Jahr 1976 mit Roger Moore, der derzeit in dem Hotel Cala di Volpe übernachtete, bekommt man eine Ahnung davon, wie die Costa Smeralda sich von allen anderen Orten unterschied: eine sehr diskrete Siedlung, fast versteckt inmitten einer wilden und manchmal rauen Natur, in der sich die Gebäude integrieren mussten, ohne die Umgebung zu überwältigen. Porto Cervo ist nämlich eine natürliche Bucht, die durch den Versuch, ihre Konturen und die umliegenden Felsen intakt zu halten, angepasst wurde.

DER GENERATIONSWECHSEL

In den 1990er Jahren bemerkten wir alle, wie sehr sich Porto Cervo verändert hatte.

Plötzlich war es ein berühmter Urlaubsort, sehr berühmt, der nicht mehr nur von internationalen Prinzen und Magnaten besucht wurde.

Es nahmen immer mehr Prominente teil, die wir heute als VIPs bezeichnen, ein hässliches Wort, das sich in unserem Sprachgebrauch eingebürgert hat, um Menschen zu bezeichnen, die in unserem Leben nicht so wichtig sind.

Die Veränderungen sind vor allem auf den Zusammenbruch der sowjetischen Ordnung (eigentlich etwas später) Mitte der 1990er Jahre und die Ankunft der Russen zurückzuführen, die mit der Öffnung des Marktes für den Kapitalismus und noch mehr mit der Umwandlung Russlands in ein riesiges Öl- und Gasfeld unglaublich reich wurden. Dieses Ereignis brachte eine Generation von Milliardären hervor.

Die großen Yachten, die wir gewohnt waren, zu sehen, wie die Nabila und die spektakuläre Southern Cross, die früher das Symbol von Porto Cervo war, haben echten Giganten wie der Lady Moura und jetzt der Dilbar Platz gemacht.  Jetzt kann man zwischen Ende Juli und Anfang August viele Vergnügungsboote von über 100 Metern Länge in diesem Gewässer sehen.


In den letzten Jahren hat Porto Cervo, auch dank der Promenade du Port, der Promenade, die vom Tennisclub Cervo bis zum Kai des alten Hafens geht, eine neue Saison eröffnet, die der Kultur und der künstlerischen Avantgarde viel mehr Aufmerksamkeit schenkt. Es wurden neue Räume von großem Interesse gebaut, sowie Kunstgalerien und ungewöhnliche Geschäfte, die sich von denen der großen Marken auf der Piazzetta und der klassischen Promenade stark unterscheiden.

Es handelt sich um eine viel jüngere und glitzernde Umgebung, die dank der zahlreichen modischen Lokale, die sowohl auf der überdachten als auch auf der oberen Promenade liegen, auch sehr angenehm ist.

Der Platz, wo die Hafenpromenade anfängt, mit seinen jahrhundertealten Olivenbäumen und den Kunstwerken, die ihn verschönern, stellt einen modernen Raum dar, der durch die Wandmalereien gefärbt ist, die einen Bruch mit der in den 1960er Jahren entstandenen Tradition darstellen. Dann gibt es auf der einen Seite die Promenade und auf der anderen die Piazzetta: zwei sich ergänzende Szenarien, die durch die berühmte Holzbrücke über den Hafen des Hotels Cervo verbunden sind.

Um vom einen zum anderen zu gelangen, muss man fast versteckte Wege zwischen den Felsen nehmen, und selbst hier ist es nicht ungewöhnlich, Schildkröten zu treffen, die ungestört in der mediterranen Macchia herumlaufen.

ZUSAMMENFASSUNG 

Porto Cervo und die Costa Smeralda sind ohne Zweifeln einige von vielen traumhaften Orten Sardiniens. Obwohl die Stadt keine hundertjährige Geschichte wie die Städte von Alghero oder Bosa oder tausendjährige Geschichte wie Cagliari beanspruchen kann, hat Olbia in kaum zwei Generationen geschafft, die Gesellschaft von Gallura radikal zu verändern und einen Sprung in die Moderne zu machen.
Die Offenheit und Lebendigkeit von Städten wie Olbia und Arzachena verdanken wir diesem Prinzen, der seiner Zeit voraus war und einen Traum nach Sardinien brachte.

Die Costa Smeralda hat Unternehmer und Kultur bewegt und der nordöstliche Teil Sardiniens stellt eine Hoffnung für die weitere Entwicklung der ganzen Insel dar.

Das Zusammentreffen von Kulturen aus verschiedenen Ländern, die Gastfreundschaft der Gallura sowie großer Fleiß haben einen einzigartigen Kontext geschaffen, der auch 60 Jahre später noch die besten Kräfte für einen ständigen Fortschritt freisetzen kann.

Literaturverzeichnis und Verlinkungen 

1) Il Grande Principe La vera storia della Costa Smeralda ( der Große Prinz und die Geschichte der Costa Smeralda)
eine umfassende und gut dokumentierte Arbeit über die Geschichte der Costa Smeralda von Guido Piga. Kaufmöglichkeiten  auf der Website: https://www.ilgrandeprincipe.com/
 
2) I sentieri della Costa Smeralda (Costa Smeralda Pfaden)
 
3) La Storia della Costa Smeralda (die Geschichte der Costa Smeralda)
 
4) COSTA SMERALDA 1962 – 2012 STORIA CRONACA MITO (COSTA SMERALDA 1962-2012 CHRONIK UND MYTHOS)
von Giovanni Gelsomino
 
5) Coast. La costa smeralda degli anni 60 e 70 (die Küste- Die Costa Smeralda zwischen 60 und 70 Jahren)
Fotobuch von Nello di Salvo (der Photograph der Costa Smeralda)

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